Monthly Archives: November 2013

Inferno – Dan Brown

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4 1/2 von 5 Sterne.

Ganz ehrlich? Ein Wahnsinnsbuch.

Ich kann absolut verstehen, dass manche es langweilig finden, wenn Dan Brown wirklich zu jedem einzelnen Ort, jeder einzelnen Skulptur, jedem Bild, jedem Gebäude erstmal eine halbe Seite lang die geschichtlichen Hintergründe erzählt, aber obwohl das das Buch stellenweise tatsächlich etwas zäh macht, hat es mich nicht wirklich gestört.

Zumindest nicht bis zu dem Punkt, an dem es mich geärgert hätte.

Mir war es zwar auch herzlich egal, von wo bis wo jetzt irgendein Tunnel verläuft, warum irgendwelche Autobahnen in Istanbul heißen wie sie heißen oder welcher Herrscher wann, wo und von wem welches Fresko malen ließ, aber ich fand es doch unglaublich interessant, warum z. B. Dante’s „Göttliche Komödie“ überhaupt KOMÖDIE heißt, obwohl das ganze Werk doch alles andere als lustig ist. Oder warum die Seufzerbrücke Seufzerbrücke heißt. Oder auch wie das Kinderlied „Ring Around the Rosies“ (auch „Ring a Ring o‘ Roses“) entstanden sein könnte. Könnte deshalb, weil die „Folkloristen“ anderer Meinung sind, aber irgendjemand ist ja immer anderer Meinung, nicht wahr? Ich fand die Theorie jedenfalls interessant.

Überhaupt fand ich ALLES, was mit Dante und Robert Langdon’s direkter Suche in Zusammenhang stand, wahnsinnig interessant.

Klar streiten sich die Gelehrten immer über die Auslegung bestimmter Ereignisse, Werke oder Kunstgegenstände, aber so wie Langdon bzw. Dan Brown alles interpretiert haben, fand ich es sehr einleuchtend und nachvollziehbar.

Und vor allem unterhaltsam, und das ist für mich mit am Wichtigsten an einem Buch.

In dieser Hinsicht war „Inferno“ perfekt, denn ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen.

Sehr schön fand ich auch, wie Dan Brown BEIDE Seiten des Problems dargestellt hat, ohne wirklich Partei zu ergreifen. Beide Seiten hatten sehr gute Argumente. Am Anfang hatte man dadurch noch so einen richtig schön gemeingefährlichen Bösewicht, aber je mehr man über das Ganze erfuhr und über die eigentlichen Hintergründe, desto mehr konnte man mit dem/den Täter/n mitfühlen.

Zumindest ging es MIR so.

Ich bin auch davon überzeugt, dass dieses Problem tatsächlich existiert, war aber bis jetzt immer der Meinung, dass man da halt nichts machen kann. Es IST eben so. Auf die Idee, dass einige „kluge“ Leute da wirklich schon Pläne schmieden und wirklich drastische Maßnahmen anstreben, bin ich nie gekommen.

Und vielleicht ist es ja auch gar nicht so.

Und doch… und doch…

Die zentrale Frage, die Dan Brown mit diesem Buch aufwirft, finde ich ungeheuer spannend und interessant, und seine Handhabung dieses Themas habe ich beinahe atemlos bis zu seiner wahnsinnig eleganten Lösung verfolgt. Wobei „wahnsinnig“ hier wörtlich zu nehmen ist: Im klinischen Sinne verrückt.

Ob man diese Lösung nun gut oder schlecht findet, bleibt jedem selber überlassen, aber eins ist sie in jedem Fall: Science Fiction.

Ich glaube nicht, das so eine Sache heutzutage möglich wäre. Oder zumindest hoffe ich das. Wobei… Eigentlich will ich gar nicht wissen, was auf diesem Fachgebiet heutzutage schon so möglich ist.

Verleugnung. 😉

Sehr schön fand ich auch die zwei KOMPLETT falschen Fährten, die Dan Brown gelegt hat, und denen ich voll auf den Leim gegangen bin. Bravo!

Ich glaube, niemand schreibt geschichtliche Schnitzeljagden besser als Dan Brown. Außerdem wirft er immer interessante Fragen auf (Hatte Jesus Kinder? Gibt es eine messbare Seele?) und beantwortet diese Fragen teilweise auch. Dabei sind diese Antworten immer ein bisschen fantastisch und/oder futuristisch, bewegen sich für mich aber im Bereich des (vielleicht irgendwann) Möglichen.

Inferno bildet da keine Ausnahme.

Das Buch nimmt einen sofort mit, man ist direkt in der Handlung und wird die ganze Zeit mitverfolgt und mitgejagt. Was das Ganze so spannend macht, ist die Tatsache, dass der Leser nur das weiß, was Robert weiß – oder vermutet. Und dass man auch die Handlungen und Ansichten von anderen Charakteren (z. B. dem Provost) mitbekommt, ändert daran nichts.

Am Ende ist nichts so wie es anfangs schien und nichts wird mehr so sein wie es war.

Ein halbes Sternchen Abzug, weil Dan Brown eben doch oft einfach wie ein Reiseführer klingt und manchmal doch sehr ins Schwafeln kommt, aber sonst? Keine Beanstandungen. 🙂

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