Monthly Archives: March 2014

Honigtot – Hanni Münzer

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3 von 5 Sternen.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob und wie ich plausibel erklären kann, warum ich diesem Buch nur 3 Sterne gebe, denn die Geschichte, die erzählt wird, fand ich wirklich sehr gut.

Sofern man bei einem Thema wie diesem von „gut“ sprechen kann.

Vielleicht sollte ich lieber sagen „spannend“.

Ich wurde wirklich absolut mitgerissen von der Geschichte um die Familie Malpran-Berchinger und konnte mir sehr gut vorstellen, dass sich das für viele Leute genau so entwickelt hat. Dass viele die Gefahr einfach komplett unterschätzt haben – und/oder die es, wie im Fall von Elisabeth, auch erstmal überhaupt nicht interessiert hat – bis es eben endgültig zu spät war.

Ich konnte auch Elisabeths Hilflosigkeit und ihre Verzweiflung gut nachvollziehen, als alles, absolut ALLES, was sie versucht hat, um sich selbst und ihre Kinder zu schützen bzw. retten, scheiterte, bis sie wirklich absolut nichts mehr tun konnte, um Deutschland und den Nazis zu entkommen. Sie konnte wirklich nur noch aufgeben und sich in ihr Schicksal fügen, und diese Hoffnungslosigkeit, dieses Gefühl des Versagens, kam wirklich sehr gut rüber und hat mich echt mitgenommen.

Die ersten zwei Drittel des Buches waren – vom Schreibstil mal abgesehen, aber dazu später mehr – wirklich spannend und interessant.

Umso enttäuschender (und, wie ich fand, auch ärgerlicher) war es darum, als sich im letzten Drittel des Buches alles änderte.

In diesem Teil war nun Elisabeths Tochter Deborah die Handlungsträgerin. Und so ruhig, überlegt und „nachvollziehbar“ wie sie davor im Buch angelegt war, war es für mich absolut unverständlich, dass sie sich urplötzlich von einem eigentlich klugen, überlegten Mädchen mit Tendenz zum „Ritzen“ in ein egoistisches, impulsives, sexbesessenes Monster verwandelt, mit so raschen und abrupten Stimmungsschwankungen, dass mir davon regelrecht schwindelig wurde.

Ich meine, ja, okay, sie ist siebzehn, Nazis, Trauma, das ist ganz sicher nicht einfach, aber trotzdem war das ein nicht im Mindesten nachvollziehbarer 180-Grad-Charakterwandel.

Und der macht Deborah nicht gerade sympathischer.

Vor allem ihre „impulsiven“ Handlungen – auch und gerade nachdem sie weiß und m. E. auch tatsächlich BEGRIFFEN hat, was alles auf dem Spiel steht – gingen mir nach einer Weile extrem gegen den Strich. Marlene hat es da mit ihrem „dummes Kind“ schon gut getroffen.

Was das Buch zusätzlich etwas mühsam zu lesen macht, ist der Schreibstil.

Ich weiß, das ist natürlich mein persönliches Problem, weil das ja schließlich Geschmackssache ist, aber für mich war diese Mischung aus Cora-Roman und Hollywood-Pathos manchmal so anstrengend, dass ich das Buch erstmal weg legen musste. Ich bin absolut überzeugt davon, es waren schwere, grausame Zeiten (was, das Buch auch wirklich gut illustriert) und vieles musste etwas „schneller“ gehen als sonst, aber bei Sätzen wie „Die Liebe hatte Deborah wie ein Blitz getroffen“, innerhalb der ersten vielleicht drei Minuten nach Kennenlernen und nach nichtmal fünf ganzen Sätzen, die gewechselt wurden, da bin ich raus.

Aber, wie gesagt, der Schreibstil ist ja im ganzen Buch derselbe und TROTZDEM habe ich es zu Ende gelesen. Wer mich kennt, weiß, dass das definitiv für das Buch spricht.

Das Ende… Tja… Das Ende hält auch nicht für alles eine Lösung parat. Es werden zwar alle Handlungsstränge und „Schicksale“ aufgeklärt, aber nicht alle sind zufriedenstellend.

Was ich jetzt allerdings ausnahmsweise mal gut fand, denn erstens passt es und zweitens denke ich mal, das war im richtigen Leben auch so. Manche Leute konnten das Erlebte verarbeiten und weitermachen, manche nicht. In diesem Buch habe ich beide Seiten verstanden, könnte aber nicht sagen, zu welcher ich mich zählen würde.

Hoffentlich muss ich es nie herausfinden.

Happy Smekday – Adam Rex

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5 von 5 Sternen.

Ich versuche gerade mir vorzustellen, wer von diesem Buch NICHT absolut begeistert sein könnte. Menschen über 18, die schon vergessen haben, dass sie mal Kind waren, vielleicht? Oder Leute, denen es sogar peinlich ist, dass sie mal Kind waren?

Nein, ich kenne da keine, aber das heißt ja nicht, dass es sie nicht gibt.

Sonst fällt mir eigentlich niemand ein. Die Leute, die das Buch allein schon vom Thema und der „Altersklasse“ her nicht interessiert, werden (hoffentlich) so schlau sein, es gar nicht erst zu lesen. Wobei ich sogar glaube, dass es den einen oder anderen „Wackelkandidaten“ wirklich davon überzeugen könnte, es ab und zu mal mit solchen Büchern zu versuchen.

Es ist brillant.

(Und wie schreibt man heutzutage eigentlich „brillant“? So wie ich, noch mit einem, oder inzwischen mit zwei „i“, also „brilliant“? Oder sogar „brilljant“? Oder ist das nach den ganzen Rechtschreibreformen eh egal? Ich könnte ja einfach mal googeln, aber ich habe gerade so gar keine Lust dazu. Aber zurück zum Smekday.)

Die Idee an sich – Aliens kommen auf die Erde, überrennen uns, ein Mädchen muss sich alleine durchschlagen, freundet sich mit einem Alien an und rettet letztendlich die Welt – ist vielleicht gar nicht mehr soooooo neu (auch wenn es zugegebenermaßen eigentlich statt einem 11-jährigen Mädchen normalerweise über 18-jährige Frauen oder Männer sind), aber die UMSETZUNG ist wirklich komplett großartig.

Der Schreibstil ist ein absolutes Vergnügen, die Handlung legt ein strammes Tempo vor, die Hauptcharaktere sind unglaublich sympathisch, ohne dabei unglaubwürdig perfekt zu sein, der Humor trifft genau meinen Geschmack, und ich finde, alles was Tip und ihrem Boov-Freund J.Lo auf ihrem Weg nach Florida (und Arizona) passiert, könnte tatsächlich so ablaufen, sollte es jemals zu einer Alien-Invasion kommen.

Vorausgesetzt, die Aliens sind so wie die Boov.

Die sind nämlich gar nicht so schlimm wie die anderen.

Aber ich will nicht zuviel verraten. 😉

Was ich verraten kann, ist, dass das ein Buch ist, dass ich mir auf jeden Fall auch selber kaufen werde (nochmal herzlichen Dank an progue für’s Leihen). Vielleicht sogar auf Englisch.

Obwohl ich gleich dazu sagen muss, dass ich die Übersetzung für absolut gelungen halte. Zwar kenne ich die englische Originalversion noch nicht, aber es war an keiner Stelle so, dass ich das Gefühl hatte, eine Redewendung oder ein Ausdruck wurde krampfhaft eingedeutscht. Ich weiß jetzt nicht, ob das Sinn macht, aber ich glaube, alle, die außer deutsche auch ab und zu englische Bücher lesen, kennen das, wenn sie plötzlich über einen Satz stolpern, bei dem sie denken: „Okay, auf Englisch würde da jetzt das-und-das stehen, aber so auf Deutsch übersetzt hört sich das komplett blöd an.“ Das ist mir bei diesem Buch nie passiert.

(Womit ich den Übersetzern keineswegs ihr Können absprechen will! Mir ist absolut klar, dass man einige Wortspiele und Redewendungen einfach nicht adäquat ins Deutsche übersetzten KANN! Das klassische Beispiel dafür, das ich hier nennen könnte, kennt inzwischen vermutlich sowieso jeder, daher spare ich mir das jetzt mal. 😉 )

Was ich noch sehr niedlich fand, waren die kurzen Comic-Zeichnungen, die das Buch von Zeit zu Zeit illustrieren, da die Boov – oder zumindest mal J.Lo – sehr gut zeichnen können.

Außerdem wird noch erklärt, warum Jungs ihre Geheimorganisationen und/oder Freiheitsbewegungen immer MOPS nennen. Das bedeutet zwar jedesmal was anderes, hat aber immer den gleichen Grund. Ich habe sehr gelacht. Vor allem über Tip’s Reaktion. 😀

UND über die neuen Städte-Namen des „Vereinigten Staates von Amerika“. Da gab es dann Städte namens Xanadu und Auenland. Aber das Beste war eindeutig Tatooine!

Es sind lauter solche Kleinigkeiten, die dieses Buch so lesenswert machen.

Okay, man könnte bemängeln, dass Tip sich nicht unbedingt wie eine durchschnittliche 11-Jährige benimmt. Nun habe ich keinen Plan von Kindern, aber ich bin mir sicher, es gibt 11-Jährige und 11-Jährige. Es gibt ja auch 40-Jährige und 40-Jährige, etc.  Außerdem könnte ich mir vorstellen, wenn Aliens meinen Heimatplaneten überfallen und meine Mom entführen, dann muss ich meinen Verstand beisammen halten und verdammt schnell so erwachsen wie möglich werden. Mal ganz davon abgesehen, dass Tip das zu Beginn dieser Geschichte schon längst ist, da sie für ihre Mutter anscheinend schon öfter die Kastanien aus dem Feuer geholt hat.

Ich fand nicht, dass das der Geschichte irgendeinen Abbruch tat. Im Gegenteil.

Und wenn dieses Buch eins beweist, dann auf jeden Fall, dass man nicht alle Lebewesen über einen Kamm scheren kann! Nicht alle Boov sind böse, auch wenn sie uns die Erde wegnehmen und uns (also, den Amerikanern) nur einen kleinen Flecken (Arizona) zum Leben lassen (hmmm… Woran erinnert mich das nur…?), und nicht alle Menschen sind gut (dieser einen Tussi in … hätte ich echt was erzählt!), selbst wenn sich Tip und alle anderen auch noch die größte Mühe geben. (Engstirnige Idioten gibt’s überall.)

Endlich malwieder ein Buch, das ich von Anfang bis Ende gerne gelesen habe. Ohne Abstriche.